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Ich darf offenbar Feminismus nicht leben!

kalmaris
25. Juni
3 Min. Lesezeit

Es ist ja etwas dran: Ein Mann kann in den Augen einer aggressiven Feministin kein Feminist sein. Das war mein Ansatz, meine literarischen Produkte nur als „feministisch angehaucht“ zu bezeichnen.


Das Vorhaben, mich demonstrativ berockt zu kleiden, ist also „Genau die Art, mit der Männer seit Jahrhunderten Räume betreten, die nicht für sie gebaut wurden, und trotzdem erwarten, willkommen geheißen zu werden.“

In einem hat die Frau ja recht: Ich bin „ein sehr konkretes Beispiel für das Problem“, dass ich erst mehrere unterschiedlich stark „feministisch angehauchte“ Romane schreiben musste, um ein solches Projekt überhaupt anzugehen.

Es gibt nicht DEN Feminismus. Den hat auch kein Verlag in Besitz, wenn er sich feministisch nennt.

Nein, ich darf das „Zurückspiegeln“ zurückspiegeln. Die Beziehungen zwischen Menschen für eine bessere Welt vernünftiger zu gestalten, ist eine auch in der Frage der Geschlechterbeziehungen sehr komplexe und mit viel aufzubringender Einfühlung verbundene Aufgabe. Beharren auf extremen Urteilen, noch dazu, ohne das Projekt als Ganzes geprüft zu haben, schadet meiner Meinung nach der Sache eines lebenswerten Feminismus mehr als ihr zum Durchbruch zu verhelfen.

Mich als Menschen zu bezeichnen, der Feminismus „für ein Buchprojekt kurz ausleihen möchte“ empfinde ich als Beleidigung. Wenn das so wäre, dann hätte ich ihn mir schon viele Jahre „ausgeliehen“ haben müssen.

Die patriarchalische Welt, in der wir leben, hat es lange geschafft, mich anzupassen. Jetzt, wo ich endlich etwas Konkretes tun kann, werde ich von denen, denen ich entgegengehen wollte, mit Dreck beworfen. Dabei hat das Projekt noch gar nicht öffentlich angefangen. Was ist erst, wenn die Machos kommen?


Nachfolgend das Ablehnungsschreiben der Verlagsdame, der ich ***-Nichtouting zubillige, um sie vor Antiwerbung zu schützen (Es war mein erster Anlauf überhaupt, einem sich als feministsch bezeichnenden Verlag mein Manuskript anzubieten ):

.



„Guten Tag Herr ***,

ich muss ehrlich sagen: Diese Mail hat mich kurz sprachlos gemacht, und das will bei mir schon was heißen.

Sie schicken einem feministischen Verlag eine Anfrage, in der Sie Feminismus mit dem Wort „angehaucht" in Klammern setzen. In einer Anfrage. An einen feministischen Verlag. Was das über Ihr Verhältnis zum Thema aussagt, erkläre ich Ihnen gerne: Es sagt, dass Sie Feminismus als Kulisse betrachten und als Haltung nie wirklich verstanden haben. Ein Mann schreibt eine Fantasie über Frauen, die ihm zugeteilt werden, verpackt das als Feminismus – und möchte, dass ein feministischer Verlag das verkauft. Das ist auf so vielen Ebenen problematisch, dass ich darüber eine Abhandlung schreiben könnte. Ich werde das nicht tun, aber dieses Paradebeispiel werde ich anderweitig definitiv noch zur Aufklärung nutzen.

Dann der Einstieg mit „darf ein alter Mann", das ist auch nur ein klassischer und ziemlich billiger Schachzug, um Kritik vorab zu neutralisieren und Mitleid zu mobilisieren, bevor überhaupt ein Argument kommt. Das hat nichts mit Bescheidenheit zu tun. Das ist patriarchale Rhetorik (mit der wir uns hier im Verlag durchaus sehr auskennen). Genau die Art, mit der Männer seit Jahrhunderten Räume betreten, die nicht für sie gebaut wurden, und trotzdem erwarten, willkommen geheißen zu werden. Dass Sie sich dabei nicht einmal ansatzweise mit unserem Programm beschäftigt haben, macht das Ganze nur noch erstaunlicher.

Meine erste Reaktion war, diese Mail zu ignorieren. Da Sie meine Empörung aber ohnehin schon hatten, nutze ich die Gelegenheit, Ihnen zurückzuspiegeln, wie sinnbefreit diese Anfrage ist: Sie sind nicht Teil der Lösung. Sie sind ein sehr konkretes Beispiel für das Problem.

*** Verlag veröffentlicht Literatur von Menschen, die Feminismus leben – nicht von Menschen, die ihn für ein Buchprojekt kurz ausleihen möchten.

Wir wünschen Ihnen alles Gute und bitten Sie, uns nicht erneut zu kontaktieren.

*** (she/they)*** Verlag, Inhaber*in

 
 
 

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2 Kommentare


Magdalene G.
26. Juni

Eine Freundin machte mich auf die Homepage von „Kalmaris“ aufmerksam und mit breitem Grinsen neugierig auf den Blogbeitrag "Ich darf offenbar Feminismus nicht leben". Mit Interesse habe ich mir daraufhin alles durchgelesen, was die Homepage zu bieten hat und war tatsächlich bei der Leseprobe zu "Der berockte Mann" überrascht, dass sich der Autor als feministisch angehaucht bezeichnet.

 

Er erfindet gleich zu Anfang des Manuskriptes eine sexistisch dargestellte Androidin, die dem entführten Protagonisten "vollumfänglich und in jeder Hinsicht" zu Diensten sein will. Hups? Das klingt eher aggressiv antifeministisch als feministisch angehaucht ... Doch stopp! Vorschnelle Urteile sind nicht mein Ding und so habe ich den Autor des Manuskriptes kontaktiert und ihn gebeten, mir eine etwas längere Leseprobe zur Verfügung zu stellen,…

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Kalmaris
27. Juni
Antwort an

Liebe Magdalene,


ich fürchte, du gehst sogar von einer falschen Voraussetzung aus: Du unterstellst der Verlagsdame, dass sie die auf dieser Homepage zu findende Leseprobe gelesen hat. Da hätte ich sogar Verständnis für gehabt: Auch Vertreter*innen von Verlagen fallen mitunter dem Irrtum zum Opfer, den Helden im Buch mit dem Autor zu verwechseln – vor allem, wenn der soviel dafür tut wie ich in diesem Romanprojekt – und dass der Held eines Buches auch ein Anti-Held oder ein Mensch in einer kritischen Lebenssituation sein kann, die auch begrinst werden kann, hat sich auch nicht bei jeder / jedem herumgesprochen.

Ich nehme eher an, sie hat sich tatsächlich nur am Anschreiben hochgezogen, wie du cich ausgedrückt hast – von wegen „Darf…

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