Der berockte Mann
Gliederung und Leseprobe
Inhalt - Kapitel
001 Wie ich als optimierter Mann in einem Raumschiff erwache und was meine Föi-Fee in den Mund nimmt
002 Warum mir passiert ist, was mir passiert ist
003 Feya setzt mir orale Morgengymnastik und eine erste Wohnungsbesichtigung auf den Tagesplan
004 Nicht nur unterm Schottenrock ist etwas des Besingens Wertes. Warum Frauen bessere Männer sein möchten, aber Männer keine besseren Frauen
005 Ich verlasse das Haus im Leinenkleid und werde für rockig erklärt
006 Wie Feya mich durch 100 Millionen Jahre Erdevolution spazierend langsam auf mein erstes Zwangsdate einstimmt
007 Warum bei Reisen in die Vergangenheit zwar kein Großvaterparadoxon auftritt, die Föi sie aber trotzdem meiden
008 Wie dank Feya das gemeinsame Mittagessen mit der mir zugeteilten Frau unerwartet unterhaltsam wird, ich aber hungrig bleibe
009 Meine erste Unterrichtsstunde. Anne spielt vertraute Freundin und Peter ist schwul
010 Ich spiele Diogenes im Schlaraffenland. Diagnose: Brunchlatte
011 Ein Account wird angelegt und erste Freundinnen meiner Männlichkeit melden sich
012 Will Marlene mit mir schlafen, wenn sie mich fragt, ob ich das mit ihr wolle, und von der Anomalie des Wassers
013 Kein Date im Park mit Marlene. Vielleicht werde ich schon Vater
014 Ich verspeise von Anne vorbestellte aphrodisierende Salate und Feya zeigt Taktgefühl
015 Wie Mann Probleme mit seinen Eierstöcken bekommen kann. Ich schreibe die Geschichte vom Exil der Ganzen, um zu illustrieren, dass wir es hätten schlimmer treffen können
016 Ich ging im Walde nicht nur so für mich hin … Unterwegs zum Ende der Welt
017 Plötzlich bin ich ein Held
018 Eine Unterrichtsstunde mit Erdbeeren und Astrologie, Schwangerschaft und Revolution
019 Warum wir Menschen keine Föi zu Gesicht bekommen (1):
Wie es Feya erklärt
020 Warum wir Menschen keine Föi zu Gesicht bekommen (2):
Wie es Anne erklärt
021 Es droht spannend zu werden
022 Marlene entpuppt sich als klug - in Negligé und ohne
023 Die Sache mit meinem Schwangerschaftsbauch: Wie entbindet man eine Revolution? Marlene grillt meinen inneren Schweinehund
024 Mein Duell mit Feya
025 Alt geblieben, nackt und allein – Feya, wo bist du?
Anlagen:
„Kalmaris' irdische Thesen zu Geschlecht und Gendern“
Erzählung „Der Placebo-Effekt“
Erzählung „Wirklichkeiten“
Märchen „Milan auf der Frameninsel“
Erzählung „Im Exil der Ganzen“
Erzählung „Tanjas wegen“
001 Wie ich als optimierter Mann in einem Raumschiff erwache und was meine Föi-Fee in den Mund nimmt
Ich bin Kalmaris, der Schriftsteller. Googeln Sie mich! Ist nicht schlimm, dass Sie mich noch nicht kennen, aber dass ich seit Jahrzehnten Nacktschläfer bin, sollten Sie wenigstens wissen und dass ich mich des Waschmittelduftzusatzes wegen abends in eine häufig frisch bezogene Decke hülle.
Wie üblich rochen am Abend des 23. Februar 2022 also weder Bettbezug noch Laken nach abgestorbenen Hautschüppchen oder angeschwitzten Poren. Ich hätte Ihnen das gern vor Ort bewiesen, aber dafür ist es zu spät.
Ich verschlief damals die Zeit in seliger Sicherheit, alles um mich herum ginge in vertrauter Langeweile weiter. Was hätte die schon stören sollen? Nichts deutete darauf hin, dass mein Leben anders als gewohnt gemächlich verlaufen könnte. Ich war ja nur ein Mann mit altersschwachem Rentenanspruch und Möchtegern-Schriftsteller.
Auf die Idee, dass nicht viel später Leute aus unterschiedlichen Gründen den Beginn einer „Zeitenwende“ ausrufen könnten, wäre ich nie gekommen, aber damit wohl kaum aufgefallen. Ich war also unschuldig an allem.
Als ich von der „militärischen Spezialoperation“ russischer Truppen in der benachbarten Ukraine hörte, stöhnte ich erst einmal laut auf: „Nun auch dieser Putin …“ Muss ich große Politik verstehen?
Aber zurück zum damaligen Datum, das ich nur erwähne, weil es eben Zufälle gibt, bei denen große und weniger große Ereignisse zusammenfallen …
Ich lebte jedenfalls bis dahin genügsam, hoffte aber auchals Rentner noch auf mir bevorstehende Höhepunkte ohne Vorstellung, wie für mich infrage kommende aussehen könnten. Ich kannte nur einen für Sonntage: Das Blättern im Kalender. Der beantwortete die Frage, welche Termine in der jeweils bevorstehenden Woche drohten. Heimlich erhoffte ich zwar irgendwelche positiven Überraschungen, in Wirklichkeit aber waren es immer nur Arztbesuche; die Spannung lag allein im Fachgebiet … das Alter eben. Ich ging mit meinen Krankheiten zu Bett statt mit Krankenschwestern und stand auch wieder mit ihnen statt mit denen auf.
So auch an jenem Februarmorgen 2022 … Allerdings wunderte ich mich da schon zwischen Halbschlaf und Erwachen ein wenig: Hatten mich in den gerade vergangenen Sekunden Töne in meinem Schlafzimmer geweckt? Ich schaltete sofort auf Stressmodus: Da konnten gar keine Geräusche sein. Ich schlief schließlich, wie erwähnt, allein. Wer oder was hätte da geräuscheln sollen? Ehe ich entschieden hatte, ob ich noch träumte oder neuerdings halluzinierte, schwanden mir erst einmal die Sinne. Irgendwie hatte ich das Gefühl, frei durch die Luft zu schweben. Das fand ich nicht einmal unangenehm, denn das war etwas Neues, ein Raus aus allem Alltagstrott! Leider bollerte mein Herz und das ängstigte mich dann doch. Schließlich hatte meine Kardiologin meinem infarktgeschädigten Herzen nur noch 50 Prozent Leistung zugebilligt. Ich besuchte die Blondine gerne. Kein Grund für Eifersucht: Ich suchte auch regelmäßig meine Hausärztin auf, meine Neurologin, meine Urologin, meine Dentistin, meine Hämatologin, meine Ophtalmologin und einige Therapeutinnen – nicht dass mir jemand nachsagte, ich hätte keine Frauenkontakte gehabt.
Vorrangig der Herzschwäche wegen versuchte ich also augenblicklich, meine Verwunderung beim Aufwachen in den Griff zu bekommen. Doch wie auch immer ich meine Gedanken zu drehen versuchte, sie waren nicht davon abzubringen, dass das, worin ich gerade aufzuwachen glaubte, nicht das Bett war, in das ich mich am Abend schlafen gelegt hatte. Nicht nur das: Die Zudecke hatte einen fremdartigen Geruch und war demnach auch nicht die meine. Das konnte ich sogar ertasten. Sie war nicht aus Baumwolle …
Vorsichtig öffnete ich das linke Auge und spähte ins Dämmerlicht. Ergebnis des kurzen Checks: Selbst das sich sonst immer nach weiblicher Sorgsamkeit sehnende Schlafzimmer war mir fremd. Kein Bücherregal lockte in Griffweite.
Einige Selbstversuche als sich in den rechten Unterarm kneifender Linkshänder erhärteten den Verdacht: Obwohl ich am gesamten Vortag meine Wohnung nicht verlassen hatte und mir Kneipengeselligkeit – und damit eventuell verbundene nachfolgende Blackouts - schon lange fern lagen, war ich nicht bei mir zuhause. Wie kam ich also hierher, ja, wo war eigentlich HIER?
Für ein Normalmenschengehirn mag so eine Vorstellung etwas Grausiges an sich haben, mein Möchtegern-Schriftsteller-Herz dagegen schlug eher freudig schneller: Hurra, die Aliens entführen mich! Keine Ahnung, warum mir ausgerechnet Aliens einfielen. Das musste auch bei einem Science-Fiction-Autor nicht der erste Gedanke sein.
Mir aber fielen auf Anhieb ein paar von Anderen veröffentlichte Geschichten über erlebte Entführungen ein. Na gut, dass es die gab, wäre noch lange kein Hinderungsgrund, selbst eine zu erleben und aufzuschreiben. Immerhin wäre meine authentisch. Wer konnte das sonst schon von sich behaupten? Obwohl … eigentlich behaupteten das die anderen auch. Es folgte ein kurzer Schreck: Auch meine zunehmende Gedächtnisschwäche war ja in Behandlung, obwohl ich den Termin bei der Neurologin vergessen hatte. Wenn ich nun gerade die Superstory meines Lebens live erlebte und sie bis zum nächsten PC-Kontakt vergessen hätte? Ich brauchte unbedingt eine Merkhilfe!
Leider blieb mir keine Zeit, nach einer zu suchen. Neben mir geräuschte es wieder und dazu rumorte es ganz unangenehm in meinem Bauchraum. Ich konnte mich nicht mit mir einigen, ob ich in dem Moment eher ein Fall für die Neurologin oder die Gastroenterologin war, die ich bei der Auflistung meiner Frauenbekanntschaften unverzeihlicherweise vergaß, doch inzwischen war ich mir sicher: Ich war nicht allein in dem lichtarmen Raum! Wäre ich doch nur ein zupackender mitreißender Held gewesen! Immerhin … wenn ich einer Entscheidung nicht entkommen konnte, wollte ich sie lieber schnell hinter mich bringen anstatt zu zögern. Also schlug ich mutig das rechte Auge auf, winkelte entschlossen den linken Arm an und schob kampfbereit meinen Oberkörper in die Senkrechte.
Das blieb nicht ohne Wirkungen. Die erste: Es wurde heller im Raum. Die zweite: Ich konnte aus eben diesem Grunde sehen, dass rechts neben der mir zugebilligten Liegestätte jemand meines Erwachens harrte, was drittens zur Folge hatte, dass ich wieder auf den Rücken klatschte und die Lider auf ihre Funktionsfähigkeit prüfte. Doch so oft ich auch die Augen schloss und wieder öffnete, das Bild blieb: Auf einem mir fremden Schaukelstuhl, keine 80 Zentimeter von meinen gänsehäutig zusammengezogenen Poren entfernt saß eine Frau.
Ach, was sage ich? Frau … Selbst Rasseweib wäre eine Untertreibung gewesen. Die Weißbekittelte hätte wohl Helena, Aphrodite und Nofretete zugleich in den nicht vorhandenen Schatten gestellt.
Plötzlich wurde mir bewusst, dass mein sonst nackt schlafender Körper bekleidet war, und zwar mit etwas, das ich sonst als Patient in Krankenhäusern vor Operationen anzulegen gehabt hätte. Die Decke über mir verbarg das nur notdürftig, und zu meiner schnell aufkommenden Verlegenheit hob mein sonst immer bescheiden in Zehenrichtung schauendes Rentnerstück den dünnen Bettbezug an. Tatsächlich: Da war ein unübersehbarer Hügel entstanden! Wann war mir das denn das letzte Mal passiert – noch dazu in dieser Erheblichkeit?
„Freu dich lieber! Das ist eine Nebenwirkung deiner Optimierung. Ist sie dir zu stark? Ist nur der Übergang. Du wirst dich dran gewöhnen.“
Ich war sicher, das gehört zu haben. Welch elektrisierend warme Stimme! Konnte ein Defibrillator schwindende Lebensgeister besser zurückholen? Bestimmt nicht. Der Worte Sinn kam erst später bei mir an.
Antworten?! Mir war schon unangenehm genug, dass diese fremde Schönheit als erstes mein Stämmchen kommentierte, einmal ganz davon abgesehen, dass mir ein ganzes Büschel an Fragen vergeblich aus der Kehle herauszuwuchern versuchte.
Ich entschied mich dann doch für eine Frage, die zwischen bekittelter Schönheit und bekitteltem Ich im zwar unbekittelten, aber noch unbesehenen Raum mit Sicherheit nicht die wichtigste war: „Was für eine Optimierung?“
Fast im selben Moment stutzte ich. Auch in den Geschichten, die ich bei anderen Autoren über Entführungen durch Aliens gelesen hatte, sprachen die meist die Muttersprache des Entführten. Beim Lesen hatte mich das stets aufgeregt. Was für ein Quatsch! Deshalb schob ich, ohne die Antwort auf die Optimierungsfrage abzuwarten, verwundert nach: „… und warum sprichst du deutsch?“
Die Schöne antwortete zögerlich: „Das ist Zufall. Die ersten Menschen, denen wir begegneten, haben deutsch gesprochen. Wir hatten uns zunächst auf ein kleines Untersuchungsareal beschränkt, damit sich alle Beteiligten leichter miteinander verständigen können.“
Bevor ich etwas einwenden konnte, sprach die Schöne weiter: „Die Föi dachten, wenn sie von dir schon eine Totalmatrix anlegen, dann unterziehen sie die auch gleich der bei uns üblichen Allgemeinoptimierung.“
Mir passierte ein „Was für Föi?“, obwohl mir natürlich klar war, dass sich die Aliens so nannten. Die Frau fuhr jedoch fort, als hätte ich geschwiegen: „Das machen wir bei allen Expeditionen zu sich entwickelnden Intelligenzen so. Keine Sorge, an deiner Persönlichkeit ist nichts verändert worden, aber körperliche Mängel wurden vor der neuerlichen Materialisierung eliminiert. Mangelhafte Organe haben wir durch dauerhaft zweckentsprechende Körperbaugruppen ersetzt. Das müsste auch in deinem Interesse sein. In unserem auf jeden Fall, denn der ganze Aufwand lohnt sich erst bei ausreichend langer verbleibender Nutzungsdauer, die ihr Lebenserwartung nennt. Na, und zu mindestens einfacher Reproduktion sollte jeder Projektmensch in der Lage sein. Du verstehst?“
Das war eindeutig eine Aufforderung an mich, etwas zu sagen, aber ich konnte nur verwirrt fragend gucken. Noch bevor ich etwas über die Lippen brachte, erläuterte mir meine Betreuerin – ich hatte mich für diese vorläufige Bezeichnung entschieden; mit Namen hatte sie sich ja noch nicht vorgestellt, mit Funktion auch nicht: „Na, zwei Kinder bekommen ist einfache, ab drei ist erweiterte Reproduktion. Die wäre nicht schlecht. Ach, entschuldige, nein, bekommen musst du sie nicht. Für den Zweck haben wir für dich eine Frau gefunden.“
Hätte die Betreuerin nicht ausgesehen, wie sie eben aussah, wäre ich vielleicht aufgesprungen und hätte nach einer Fluchttür gesucht. So lächelte ich auszüglich und fragte: „Und das bist du?“
Ich sagte das mit einem Unterton, der ihr hoffentlich unmissverständlich klar machte, dass mir diese Aussicht zusagte. Ich war einfach zu schüchtern, das in ein Kompliment zu kleiden.
„Das geht nicht. Vielleicht lässt du mich deine Situation im Zusammenhang erklären? Dann wird deine minimale menschliche Gehirnkapazität nicht überfordert.“
Das war hart. Immerhin bekam ich Zeit, kurz nachzudenken und ruhig mein Einverständnis zu nicken.
Meine mich Dominierende quittierte das mit einer Art Grinsen, dass mein Stämmchen, das bis dahin die Decke hochgedrückt hatte, zum drucklosen Zweiglein schrumpfte.
„Entschuldige, dass die Umstände deines Hierherkommens und Erwachens bisher nicht zuließen, mich vorzustellen. Man nennt mich Feya. Einen solchen Namen gibt es in vielen eurer Sprachen und er bedeutet Fee. Das hättest du dir sogar vor der Optimierung merken können. Ich bin ein Roboter, ein möglichst menschengerecht gestalteter Androide, Biomat oder wie immer ihr das nennen mögt. Ich bin ein Servicesubjekt zu deiner durchgängigen und umfassenden Verfügung. Die Föi haben entschieden, dass ein direkter optischer Kontakt mit ihnen sich auf den Verlauf des Projekts störend auswirken würde. Das menschliche Emotionalsystem bedarf einer besonders großen Vertrautheit, um ausreichend schnell eine positive Beziehung aufzubauen und konstruktiv zu handeln. Meine Föi-Schöpfer haben versucht, mein Aussehen den ästhetischen Vorstellungen desjenigen Menschen anzupassen, dem ich als Serviceroboter dienen soll, in meinem Fall also den deinen. Sie haben das Prinzip der Zweigeschlechtlichkeit berücksichtigt und meine Betreuerschaft als potentielle geschlechtliche Partnerschaft mit dir gestaltet, wenn auch unter Ausklammerung der Produktion menschlicher Nachkommen innerhalb meines Gehäuses. Mein Programm ist selbstlernend. Fragen kannst du mich also im Prinzip alles und mich behandeln, als wäre ich ein Mensch. Ich habe aber auch eine Funktion, über die ich fachlich kompetente Föi oder den zentralen Datenspeicher zuschalten kann. Ich werde deine Fragen und Kommentare übersetzen und an Stelle der Fachleute antworten. Ich hoffe, ich bin für dich nicht langweilend geraten.“
„Nein, bestimmt nicht …“, stammelte ich und mit Entsetzen in der Stimme „Eine Androidin!“ Aber selbst wenn ich „Ein Marsmädchen!“ ausgerufen hätte, hätte das meine Biomatin wohl nicht beeindruckt.
Etwas peinlich war es mir nun, dass sich schon wieder dieses optimierte jugendlich-erotische Verlangen hochdrängte. Ich überlegte krampfhaft, wie ich jene Ausbeulung unbemerkt unsichtbar machen könnte, da führte ausgerechnet dieser Zustand zu einer Störung in Feyas Redefluss. Ich hätte schwören können, ein amüsiertes Zucken in ihren Mundwinkeln gesehen zu haben, aber wahrscheinlich war das meiner Fantasie zuzuschreiben. Ob diese Föi ihrer Androidin einen Mimik-Analysator eingebaut hatten oder Feya anderweitig auf Männerdenkweisen hin programmiert worden war … auf jeden Fall kam diesmal eine Antwort auf meine ungestellte Frage: „In Sinne von euch Menschen bin ich eine Maschine, ja. In gewissem gerade euch Männern wichtigen Sinn bin ich aber auch darauf eingestellt, vorübergehend nicht anderweitig abbaubare Libidostauungen zu lösen. Ich bitte dabei nur um schonende Behandlung, denn meine Dermatologisches simulierende Oberschicht ist begrenzt belastbar. Im Sinne der Erhöhung anderweitiger geistiger Aufnahmefähigkeit deinerseits ist im Moment vielleicht eine Leistungsprobe angebracht?“
In der Überzeugung, dass Feya in ihrer eigentümlichen Ausdrucksweise nicht gemeint haben konnte, wovon ich hoffte, dass sie es gemeint hatte, breitete sich auf meinem Gesicht ein Ausdruck aus, den Feyas Mimik-Analysator, so er denn existierte, als Mischung aus Verwirrung, Nachfragebedürfnis und unterdrückter Hoffnung identifizierten musste.
„Welchen Teil von 'durchgängige und umfassende Verfügung' hast du nicht verstanden? Ich habe doch unmissverständlich erklärt: Ich bin dazu da, deine Bedürfnisse zu befriedigen, dich zu bedienen.“
Die Fee schritt sofort zur Tat. Ich hätte auch „zur Operation“ sagen können, denn mit sicheren Griffen schälte sie mich aus dem OP-Hemd und beugte sich über meinen solcherart freigelegten Behandlungsbereich.
„Hände oder Mund? … Besser Mund – dann muss das Laken nachher nicht gleich gewechselt werden.“
Ich weiß nicht, ob mir das zur männlichen Ehre gereichte, aber total überwältigt überließ ich Feya die Initiative. Es wäre sicher auch gelogen gewesen, hätte ich meinen Gesichtsausdruck als intelligent bezeichnet.
Während ein vager Begeisterungsgedanke kurz in mir aufkam, was dort entgegen der meinem Alter zukommenden Gemächlichkeit an Energie und Materie freigesetzt wurde, hörte ich schon Feyas Frage: „Nochmal?!“ Bevor ich reagieren konnte, erläuterte sie: „Keine Sorge, ich schleuse deine organische Absonderung wie normale Nahrung durch meinen Verdauungsimitator, nur was den Geschmack angeht, wurde bei meiner Konstruktion auf Rezeptoren verzichtet. Ich kann also deine Einspeisung nicht als süß, bitter, salzig oder sauer bewerten. Frag also bitte nicht danach!“
Feyas Zungenfertigkeit überzeugte mich. Ich speiste ihren „Verdauungsimitator“ noch zweimal mit potentiellen Vaterschaften. Ich wagte es kaum zu hoffen: DAS sollte ich jetzt immer können? Solch Optimierung gefiel mir. Danach war ich, wenn auch etwas erschöpft, selbst als optimierter Mann nicht mehr unterbauchfixiert, sondern auf Erklärungen gefasst, die mir Feya bis dahin noch nicht hatte geben können oder wollen.
„Im Moment bist du mit dir zufrieden?“ Feyas Gesicht zeigte weder Lächeln noch Grinsen, aber beides glaubte ich aus der Stimme herauszuhören. Es war wohl doch eher Feststellung als Frage. Sollte sie sprechen. Ich würde zuhören. Vielleicht war nun sogar Gelegenheit, sich umzusehen, wo ich mich überhaupt befand. Als zur Höflichkeit erzogener Mensch war ich allerdings verurteilt, während der Unterhaltung meine Gesprächspartnerin anzusehen, und ich sage es noch einmal: Diese Höflichkeit wäre mir wohl auch dann leichtgefallen, wenn ich zum Flegel erzogen worden wäre …
002 Warum mir passiert ist, was mir passiert ist
…